Jedes Jahr im Oktober erwartet die geistige Welt die Bekanntgabe des Nobelpreisträgers für Literatur. Die Ehrung geht auf den Stifter Alfred Nobel zurück, der in seinem Testament verfügte, dass der Preis der Autor erhalten sollte, der "das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat".
Der Literatur Nobelpreis wird am Todestag von Nobel, dem 10. Dezember feierlich durch den schwedischen König verliehen. Er überreicht die Nobelmedaille und ein Diplom. Mit dem Literatur Nobelpreis verbunden ist ein Preisgeld von 10 Millionen Schwedischen Kronen - umgerechnet rund 1,1 Mio. Euro - die aus dem Stiftungskapital der Nobelstiftung finanziert werden. In der Woche der Preisverleihung hält der Geehrte außerdem einen öffentlichen Vortrag. Die 2004 geehrte Elfriede Jelinek hat wegen Phobien vor Auftritten in der Öffentlichkeit ihren Nobelvortrag auf Video aufgezeichnet.
Der Preisträger wird in einem mehrstufigen Verfahren ermittelt. Dazu schreibt die Schwedische Akademie mehrere hundert Institutionen und Personen an und bittet sie um Vorschläge lebender Autoren bzw. Autorinnen sowie Dramatiker und Dramatikerinnen. Unter den Angeschriebenen sind frühere Träger des Literatur Nobelpreises, nationale und internationale Vertreter von Akademien, die mit der Schwedischen Akademie vergleichbar sind, Universitätsprofessoren für Literatur bzw. Linguistik und die Repräsentanten von Schriftstellerverbänden aus aller Welt.
Aus den vorgeschlagenen Autoren bzw. Autorinnen werden ca. 15 bis 20 Namen festgelegt, aus denen später fünf Namen übrig bleiben. Die Vertreter der Schwedischen Akademie debattieren dann die Werke der Schriftsteller und stimmen über den Preisträger ab. Der Sieger muss über die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen.
In der über 100-jährigen Geschichte seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 hat es immer wieder Überraschungen und Diskussionen gegeben, da die literarische Welt ist nicht immer mit den Preisträgern einverstanden ist. Ein Missverhältnis besteht auch bei der Anzahl der weiblichen Autoren zu ihren männlichen Pendants. Unter den 104 bisherigen Preisträgern sind gerade einmal 11 Frauen, darunter die aktuell geehrte Doris Lessing aus Großbritannien.
Erster Preisträger war der Franzose René Sully Prudhomme im Jahr 1901. Schon ein Jahr später erhielt der erste Deutsche, der Historiker Theodor Mommsen, den Literatur Nobelpreis. In der Gesamtbetrachtung wurde der Preis überwiegend an englischsprachige Autoren und Autorinnen vergeben. Unter den namhaften deutschen Literaturnobelpreisträgern sind Gerhart Hauptmann (geehrt 1912), Thomas Mann (1929), Heinrich Böll (1972) und Günter Grass (1999) zu nennen.
Laut den Stiftungs-Statuten kann der Literatur Nobelpreis, wie in den anderen Nobelpreis-Disziplinen in der Regel üblich, auch an mehrere Preisträger vergeben werden, die sich dann das Preisgeld teilen. Dies war bisher viermal der Fall: in den Jahren 1904, 1917, 1966 und 1974. |